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Pfarrer Andreas Weber:
Auf ein Wort....
Rückenwind und Gegenwind
Auf einem Kalenderblatt fand ich kürzlich folgende Begebenheit:
Eine Frau fuhr jeden Tag mit dem Fahrrad zur Arbeit. Morgens früh fünf Kilometer und am Abend fünf Kilometer zurück. Eigentlich bekam ihr die Bewegung in der freien Natur ganz gut, aber sie ärgerte sich immer darüber, dass sie so oft Gegenwind hatte. Sie fand das ziemlich ungerecht, immer gegen den Wind ankämpfen zu müssen. So schimpfte sie leise über das Wetter und fuhr tapfer weiter mit dem Fahrrad – Tag für Tag.
Logischerweise müsste man, wenn man morgens Gegenwind hatte, am Abend Rückenwind verspüren. Es fiel ihr irgendwann auf, dass man den Rückenwind nie bewusst wahrnahm. Der war einfach da, und man genoss ihn, ohne ihn wirklich wahrzunehmen.
Als die Frau einmal bewusst auch auf den Rückenwind achtete und ihn deutlich spürte, machte sie sich so ihre Gedanken über das Leben: Auch im wirklichen Leben spürt man oft nur Gegenwind, und den Rückenwind nimmt man kaum einmal bewusst wahr. Und sie stellte fest, wie oft sie in ihrem Leben Rückenwind bekam: Sie hatte eine glückliche Familie, eine Arbeitsstelle, einen netten Freundeskreis und hilfsbereite Nachbarn. Das war nicht nur Zufall oder Glück, wodurch ihr Leben so oft erleichtert wurde. Ein unerwarteter Anruf einer Freundin, wenn sie verzweifelt war, ein spontane Hilfeleistung einer Arbeitskollegin, wenn es gerade nicht lief. Alles nur Kleinigkeiten, aber alles Dinge, die das Leben wieder in Schwung brachten.
Für die Frau waren all diese Dinge wohltuender Rückenwind in ihrem Leben. Und sie wusste, dass auch Gott seine Finger mit im Spiel hat, wenn es gut läuft und sie vorwärts kommt.
Und wenn die Frau heute noch Fahrrad fährt und der Wind ihr recht heftig ins Gesicht bläst, dann freut sie sich und lacht. Sie freut sich über den Rückenwind Gottes, der ihr in ihrem Leben so oft geschenkt wird, ohne dass es einem immer bewusst ist. Und sie tritt zufrieden in die Pedale und ist dankbar.
Es lohnt sich, einmal über Gegenwind und im Rückenwind im eigenen Leben nachzudenken,
meint Pfarrer Andreas Weber
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